AB IN DEN WALD

Portrxit des Plxnt-for-the-Plxnet Botschxfters für Klilxgerechtigkeit FxlixssxdorF

2014
Alter

Felix

Deutschland

Über mich

München, Deutschland, 

Alter: 21 Jahre

Gründer der Schülerinitiative Plant-for-the-Planet und Botschafter für Klimagerechtigkeit seit 2007

Sprachen: Deutsch, Englisch
 

Interview mit Felix

Wann ist die Idee zu Plant-for-the-Planet entstanden und wie kam es dazu? Wie wurde die Schülerinitiative so bekannt?

Felix: Meine Lehrerin hat Klima und Wetter verwechselt und kam nach dem warmen Winter 2006/2007 am ersten Schultag im Januar in die Klasse und sagte: „Wir wollen uns die nächsten Tage mit der Klimaerwärmung beschäftigen." Jeder sollte im Internet recherchieren. Ich versprach am nächsten Montag einen Vortrag zu halten. Am Wochenende habe ich Al Gore's Film „Eine unbequeme Wahrheit" angeschaut, mein Opa hatte sich gerade das Buch dazu gekauft und ich konnte daraus Folien für meinen Vortrag kopieren. Im Internet habe ich von Wangari Maathai gelesen, die in 30 Jahren 30 Millionen Bäume in Afrika pflanzte. Meinen Vortrag nannte ich „Das Ende des Eisbären", ich habe den Treibhauseffekt erklärt, den Zusammenhang von CO2 und Temperatur, Golfstrom, dass Bäume CO2 binden. Beendet habe ich meinen Vortrag mit den Worten: „Laßt uns in Deutschland bis 2009 eine Million Bäume pflanzen!"  Den ersten Baum haben wir am 28. März 2007 gepflanzt. Ein Jahr später, am 22. April 2008 habe ich eine Pressekonferenz gegeben, dass wir schon 90.000 Bäume erreicht haben. 500 Medien haben darüber berichtet.

Haben Freunde von dir auch noch mitgemacht oder war es eine Einzelinitiative?

Felix: Im Referat am Montag in der Klasse habe ich zum ersten Mal die Million Bäume genannt. Meine Lehrerin hat mich den Vortrag dann am Mittwoch nochmal vor den Klassensprechern wiederholen lassen, am Donnerstag musste ich alles der Direktorin erklären und dann bin ich als Neunjähriger mit dem Laptop in andere Schulen gefahren. Dadurch haben sich sehr viele Mitstreiter angeschlossen: Abiturienten haben die Website gemacht, über Hundert Schüler haben geholfen Briefe an andere Schulen zu schicken, meine beiden Schwestern haben immer mitgeholfen genauso auch meine Eltern. Wir haben Klaus Töpfer als Schirmherr gewonnen, ebenso Fürst Albert von Monaco und Prinz Hassan bin Talal von Jordanien.

Ist Umwelt auch sonst an deiner Schule ein wichtiges Thema?

Felix: An unserer Schule haben wir einen Arbeitskreis HOPE (Help Our Planet Earth). Plant-for-the-Planet wurde ein Projekt und alle Lehrer in der vierten, fünften und sechsten Klasse haben Plant-for-the-Planet in den Unterricht aufgenommen. Nur wenn die Umwelt im Gleichgewicht ist, haben wir Kinder eine Zukunft. Umwelt ist für die Kinder besonders wichtig. Ich glaube, dass ist an anderen Schulen genauso.

Was motiviert dich am meisten, so was zu machen? Wir vermuten mal, Geld verdienen ist es in diesem Fall wohl eher nicht?

Felix: Wir Kinder machen es, weil es um unsere Zukunft geht. Was die Erwachsene tun oder nicht tun, müssen wir Kinder einmal ausbaden. Wir Kinder werden noch 80 oder 90 Jahre auf unserer Erde leben und wir lernen, dass wir in vielen Weltkrisen stecken, einer Wirtschaftskrise, einer Klimakrise, einer Armutskrise. Wir pusten jeden Tag soviel C in Form, von Erdgas, Erdöl, Kohle in die Luft, wie die Sonne in einer Million Tagen gespeichert hat. Das C bleibt in der Atmosphäre, die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen, die Meere steigen, die Dürren nehmen zu. Am schlimmsten trifft es die Ärmsten der Welt. In Afrika, Südamerika, Indien, China verhungern jeden Tag 30.000 Kinder. Jeden Tag stecken wir Milliarden Euro in ein Bankensystem, das niemand versteht. Niemand kann uns Kindern erklären, woher das Geld kommt und wohin das Geld geht.. Sicher ist nur, dass das Geld weder an die hungernden Kinder geht, noch in den Schutz unserer Umwelt, noch in die Verbesserung unserer Zukunft. Ich habe nur gehört, dass wir Kinder einmal diese Schulden zurückzahlen müssen.

Bist du häufiger an anderen Schulen unterwegs, um auf das Projekt aufmerksam zu machen?

Felix: Ich versuche so viele Vorträge wie möglich zu halten – mehr als hundert waren es schon. Seit einem halben Jahr veranstalten wir Plant-for-the-Planet-Akademien, wo immer bis zu hundert Schüler ausgebildet werden, damit diese auch Vorträge halten.

Kommst du noch zu anderen Hobbies? Welche z. B.?

Felix: Meistens habe ich noch genug Zeit für meine Hobbies, das sind Fahrradfahren, Schwimmen, Skifahren, Snowboarden, Töpfern, Klavierspielen.

Hat die Schule darunter gelitten oder eher nicht? Oder vielleicht sogar im Gegenteil noch profitiert?

Felix: Meine Noten sind ganz gut. Die Lehrer und meine Schulfreunde helfen mir, wenn ich Unterrichtsstunden verpasse. Was ich und alle anderen Botschafter, die Vorträge halten, gelernt haben, ist vor vielen Menschen, manchmal auch Tausenden Menschen oder im Fernsehen zu sprechen. Auch lernt man viel, wenn man Fragen beantworten muss. Klar, weiß man nicht auf jede Frage eine Antwort. Dann sage ich das auch, oder ich antworte etwas anderes und lese später nach, was die richtige Antwort gewesen wäre.

Mittlerweile gibt es auch schon Vorträge von dir bei youtube, du hältst offenbar viele Vorträge, gibst Interviews... wird dir das Ganze nicht manchmal ein bisschen unheimlich?

Felix: Nein, das ist ganz normal und völlig logisch: Die Erwachsenen haben ja nie über Umwelt in der Schule etwas gelernt. Die Klimakrise und dass der Mensch schuld daran ist, ist ja erst seit 2.2.2007 richtig bekannt. Ich weiß das Datum, weil ich zwei Wochen vorher mein Klassenreferat und damit meinen ersten Vortrag gehalten habe. Wir Kinder wissen in Umweltfragen oft viel mehr als die Erwachsenen und müssen jetzt halt die Erwachsenen unterrichten. Die Erwachsenen müssen Geld verdienen und haben vielleicht gar nicht die Zeit, sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern. Das ist unsere Aufgabe. Ich glaube, dass die Erwachsenen irgendwie froh sind, dass wir Kinder uns darum kümmern. Ich habe erfahren, dass sie uns zuhören und uns immer helfen. Ohne die Unterstützung der Erwachsenen wären wir nicht so weit.

Gibt es ein Erlebnis, eine Anekdote oder Begegnung im Zusammenhang mit Plant-for-the-Planet, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Felix: Ich habe mal vor über tausend Autohändlern einen Vortrag halten. Es war am Nikolaustag. Als Dankeschön habe ich einen Schokoladennikolaus bekommen, der fast so groß war wie ich selbst.

Im Sommer 2008 hatte ich einen Vortrag gehalten nach der Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Kaum war ich fertig, ist Frau Wieczorek-Zeul zu mir gekommen und hat mich eingeladen dieses Jahr auf dem G8-Gipfel zu sprechen. Ich finde es immer toll Achim Steiner, den Chef der UNEP zu treffen, denn er unterstützt unser Projekt. Am schönsten sind aber die Akademien. Dort sind immer ganz viele Kinder, die alle mithelfen wollen.

Es heißt, du hast auch schon Al Gore getroffen. Und, wie ist er denn so?

Felix: Im Herbst 2008 habe ich mit Al Gore gesprochen. In seinem Vortrag, den er später in München hielt hat er dann auch unsere Schülerinitiative erwähnt. So wichtige Leute haben leider wenig Zeit, er musste danach sofort wo anders hin. Ich finde er ist ein sehr guter Redner und ich lerne viel von ihm.

Du bist Mitglied des Kindervorstands der UNEP. Was bringt das mit sich? Was macht man da überhaupt?

Felix: Im Juni 2008 trafen sich 1.000 Kinder aus 105 Ländern zu einem UNEP-Kindertreffen in Norwegen. Ich habe mich auch angemeldet und habe dort auch einen Vortrag gehalten über Klimagerechtigkeit. Anschließend haben mich die anderen Kinder in den siebenköpfigen Vorstand gewählt. Jedes Kind ist zuständig für einen Kontinent, ich bin zuständig für Europa. Unsere Aufgaben sind, dass wir die Botschaft verbreiten, dass wir jetzt etwas tun müssen. Außerdem bereiten wir die nächste Kinderkonferenz im August 2009 in Süd-Korea vor.

Was sollten Jugendliche tun, die sich für Plant-for-the-Planet engagieren wollen bzw. das als Projekt an ihre Schule tragen möchten?

Felix: Jedes Kind, jeder Jugendliche kann eine Plant-for-the-Planet-Akademie besuchen. Dort erfahrt Ihr die neuesten Dinge über das Klima und außerdem lernt Ihr, wie ihr Vorträge halten könnt. Wenn noch keine Akademie in Eurer Nähe geplant ist, dann sprecht Euren Lieblingslehrer an, damit Ihr in Eurem Ort in Eurer Schule eine Akademie veranstaltet. Ladet dazu alle interessierten Schüler auch aus den anderen Schulen ein. Im letzten Teil der Akademie werdet ihr gemeinsam festlegen, wann, wie und wo Ihr die erste Baumpflanzaktion plant, ob Ihr Euch in Eurer Gemeinde auch 100.000 Bäume als Ziel setzt und wo Ihr Eure ersten Vorträge halten werdet. Im Sommer laden wir alle Plant-for-the-Planet-Botschafter nach Bonn zu einer ersten Konferenz ein, damit wir voneinander lernen können.

Ihr könnt aber auch gleich den Förster in Eurem Ort ansprechen, er soll Euch ein Grundstück geben und Setzlinge und Euch erklären wie Ihr Bäume pflanzt. Die Zahl dann bitte auf der Website eintragen.

Hast du schon neue Projekte im Kopf, wenn Plant mal abgeschlossen sein sollte? Oder gibt es vielleicht ein Umweltthema, dass dich (außer Bäumen) besonders interessiert?

Felix: Plant-for-the-Planet wird glaube ich nie abgeschlossen sein. Mit unseren Erfahrungen müsste es doch klappen, dass Kinder in allen Ländern der Welt Millionen Bäume in ihrem Land pflanzen. Jeder Baum bindet CO2. Wir Kinder pflanzen ja keine Bäume, weil wir Förster werden wollen oder weil wir die Natur so lieben, sondern weil wir die Gestaltung unserer Zukunft nicht den Erwachsenen alleine überlassen können. Je mehr Bäume wir pflanzen, desto mehr hören die Erwachsenen uns zu. Mit den Erwachsenen können wir dann auch andere Ideen besprechen, wie wir den Regenwald schützen können, wie wir Gesetze machen, dass wir weniger CO2 produzieren.

Wem gehört der Himmel? Ist es gerecht, wenn die USA und wir Europäer 60% des CO2 rauspusten und 6 Milliarden Menschen teilen sich die restlichen 40%?. Nein, es ist natürlich nicht gerecht und es wird auch niemals funktionieren. Jeder Mensch muss doch das gleiche Stück vom Himmel haben. Jedes Kind muss doch mit der Geburt das gleiche Verschmutzungsrecht bekommen und wenn wir im reichen Norden mehr CO2 rauspusten wollen, dann müssen wir den anderen eben Teile ihrer Rechten abkaufen und dafür zahlen. Dann müssen nicht mehr soviele Kinder verhungern und alle Menschen zusammen würden nur noch so viele Treibhausgase rausblasen, wie Wälder und Meer aufnehmen können. Wir Kinder nennen das Klimagerechtigkeit. Für viele Erwachsene klingt das nach einer Utopie. Das ist es auch!

Mir hat einmal jemand eine Geschichte erzählt: Stellen wir uns mal vor, wir wären ein Moskito und stünden einem Rhinozeros gegenüber. Glauben wir, dass wir das Tier dazu bewegen können, seine Richtung zu ändern? Vermutlich nicht. Aber wenn wir tausend Moskitos sind, dann wird das Rhinozeros in eine andere Richtung laufen. Wenn ein paar Kinder Bäume pflanzen, dann mag der einzelne Baum nicht viel bewirken, wenn sich aber die Kinder der ganzen Welt zusammentun und Bäume pflanzen, dann können wir gemeinsam die Welt verändern.