Wir Kinder sind Weltbürger und Weltpolitiker…. Oder: Als Weltbürger denken und die weltweiten Probleme anpacken
Jeder Baum, den wir mit unseren eigenen Händen pflanzen, jeder Euro, den wir in einen Baum in den Ländern der südlichen Erdhalbkugel verwandeln, ist ein realer und wichtiger Beitrag, um der Klimakrise entgegenzuwirken. Wir freuen uns über jeden einzelnen Baum auf dieser Welt, der nicht gerodet, sondern gepflanzt wird.
Aber wir sind nicht naiv!
Wir glauben nicht, dass wir mit Bäumen allein die Welt retten. Damit wir in eine positive Zukunft sehen können, braucht es mehr. Viel mehr.
Auf unserem letzten Treffen der Botschafter für Klimagerechtigkeit hat ein Kind von einer Sendung erzählt, in der über ein spannendes Tierexperiment berichtet wurde: Wenn man einen Affen „wählen“ lässt, ob er sofort eine Banane oder später sechs Bananen will, nimmt der Affe immer die eine Banane sofort.
Das ist ein guter Vergleich. Für uns Kinder ist Zukunft: 70, 80 oder sogar 90 Jahre, für viele Erwachsene vielleicht nur 20 oder 30 Jahre. Wenn die Erwachsenen nur ein bisschen so denken wie die Affen, dann sieht es schlecht aus mit unserer Zukunft. Denn wenn wir Menschen genauso kurzfristig denken und handeln wie Affen, dann wird doch jeder lieber heute gut leben wollen, als sich um die nächsten Generationen zu sorgen.
Auch wenn uns gewisse Regeln manchmal gar nicht „schmecken“: Wir Kinder brauchen Regeln, sonst würden wir wahrscheinlich keine Hausaufgaben machen, sondern die meiste Zeit mit Computerspielen verbringen. Erwachsene sind
wohl irgendwie auch wie große Kinder. Deswegen sind wir Botschafter für Klimagerechtigkeit überzeugt, dass wir weltweite Regeln und Gesetze brauchen.
In unserem Buch "Baum für Baum" steht, dass jeder von uns eigentlich weniger Auto fahren, weniger fliegen, nur mit Deckel kochen, alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzen, weniger Fleisch essen, den Stromanbieter wechseln sollte, usw. Das sind alles freiwillige Maßnahmen. Aber wie viele Menschen machen das heute schon? Fünf, sechs, sieben Prozent? Dann machen es über 90 Prozent noch nicht. Und viele leben wahrscheinlich immer noch nach dem Motto: „Warum soll ich etwas für die nächste Generation tun? Ob ich das jetzt so oder so mache, ändert ja eh nichts.“
Nehmen wir das Beispiel der Autos: Als wir Kinder geboren wurden, haben die deutschen Autohersteller versprochen, keine Autos mehr zu bauen, die mehr als 120 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Das Versprechen haben sie gebrochen, und die literweise Sprit schluckenden Geländewagen, die auf unseren Straßen fahren, werden immer mehr. Auf der letzten UNEP Kinder- und Jugendkonferenz haben wir uns ausgetauscht und festgestellt, dass in Deutschland die Steuer auf einen Geländewagen viel niedriger ist als zum Beispiel in Frankreich, Großbritannien oder Norwegen. In Deutschland wird ein Großteil der Geländewagen als Geschäftswagen von der Steuer abgesetzt. Wer also ein großes Auto fährt, wird bei uns sogar noch vom Staat belohnt. Wir brauchen nur auf unsere Straßen zu schauen, dann sehen wir das Ergebnis dieser Regeln – oder besser das Ergebnis des Fehlens von Regeln: Bei uns in Deutschland fahren Hunderttausende von Geländewagen, in den anderen Ländern mit hoher Steuer viel weniger.
Oder nehmen wir den Flugverkehr: Wie beim Autoverkehr fehlen auch beim Flugverkehr die wichtigsten Regeln und Gesetze in Sachen CO2. Das Flugbenzin für internationale Flüge ist weltweit steuerfrei. 2005 wollten die Finanzminister der EU europaweit eine Kerosinsteuer einführen, aber die Tourismusindustrie war dagegen. Schön – damit darf heute jeder extrem billig um die Welt fliegen. Nur für uns Kinder wird das einmal unglaublich teuer werden. Denn nicht nur, dass die Menschen meinen, sie müssten immer in die Ferien fliegen – wir transportieren auch sinnlos Güter rund um den Globus, nur weil der Transport billig ist. Viel zu billig eben. Keiner braucht unbedingt Erdbeeren im Winter!
Weil wir gerade beim Essen sind: Das Gleiche gilt für den Fleischkonsum. Unsere Großeltern haben ein Mal die Woche Fleisch gegessen. Heute ist das Fleisch so günstig, dass es sich vor allem in den reichen Ländern viele Menschen leisten können, jeden Tag Fleisch zu essen. Wenn wir weltweit Regeln vereinbaren, dass in jedes Produkt die CO2-Kosten eingerechnet werden, dann wäre Fleisch viel teurer, und automatisch würden die Menschen weniger davon essen.
In den vielen Gesprächen und Diskussionen unter uns Botschaftern sind wir natürlich zu dem Schluss gekommen, dass wir uns einerseits alle klimaschonend verhalten und so viele Bäume wie möglich auf der ganzen Welt pflanzen wollen. Aber wir haben auch gelernt, dass wir einen großen Teil unserer Energie darauf verwenden müssen, dass wir weltweit die richtigen Regeln und Gesetze aufstellen – damit nämlich die Menschen, die noch nicht eingesehen haben, wie wichtig es ist, etwas gegen die Klimakrise zu tun, sozusagen dazu „gezwungen“ werden.
Wir sollten aus der jüngsten Geschichte lernen!
Wir Botschafter für Klimagerechtigkeit bekommen sehr wohl mit, was in dieser Welt passiert – nicht nur Erwachsene lesen Zeitung und verfolgen die Nachrichten. Wir haben dabei erlebt, dass unsere Regierungen wohl lieber den Banken und den Autokonzernen Geld geben als den Menschen, die das Geld viel dringender brauchen. Seit vielen Jahren wissen wir, dass jeden Tag 30.000 Menschen verhungern. Ein großer Teil dieser 30.000 verhungernden Menschen sind Kinder. Sie verhungern in einer reichen Welt.
Auf dem G8-Gipfel in Großbritannien im Jahr 2005, wo die Regierungschefs der acht reichsten Länder der Erde zusammenkamen, haben diese Regierungschefs feierlich versprochen, die Hilfe für Afrika bis zum Jahr 2010 zu verdoppeln. Das wären 30 Milliarden US-Dollar. In diesem Jahr bleibt die Hilfe für Afrika allerdings um 20 Milliarden Dollar zurück – ihr Versprechen haben sie also gebrochen. 20 Milliarden Dollar sind übrigens so ziemlich genau die Summe, die sich die Banker der Wallstreet* Ende 2009 als Zusatzgehälter (Boni) ausbezahlt haben – und das ein Jahr, nachdem der Staat ihre Banken mit Steuergeldern gerettet hat.

Die Zahl der politisch interessierten Jugendlichen steigt laut des aktuellen Shell Jugendberichts wieder an. Entscheidend sind dabei vor allem die 12 bis 14 Jährigen! Besonders wichtig sei den Jugendlichen dabei die Klimakrise, die die Mehrheit als großes Problem sieht. Viele Kinder und Jugendliche sind laut der Studie auch schon dabei in ihrem Alltag bewusst darauf zu achten klimafreundlich zu konsumieren.
Auch eine Studie der Bertelsmann Stiftung deutet darauf hin, dass sehr viele Kinder und Jugendliche in Deutschland und Österreich politisch interessiert sind und gerade auch die Klimakrise als sehr großes Problem ansehen. Viele sehen dabei laut Studie aber auch eine Chance, endlich etwas in unserem Umgang mit der Natur zu verändern.
Wir Kinder haben uns gefragt, warum die Erwachsenen nichts gegen diese Ungerechtigkeit tun, sie lesen doch auch Zeitung! Anstatt den Menschen in den ärmeren Ländern zu helfen, müssen die jetzt auch noch am meisten unter den Folgen der Klimaerwärmung leiden, die wir in der reichen Welt verursachen.
Wir Kinder sind keine Klimaforscher. Wir verstehen weder das Finanzsystem noch das Wirtschaftssystem. Wir Kinder wissen nicht, ob die Klimaforscher recht behalten werden oder die Klimaskeptiker.
Niemand weiß heute, ob der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um 0,2 oder 2,0 Meter ansteigen wird. Drei Dinge wissen wir Kinder aber sicher:
- Viele von uns werden gegen Ende dieses Jahrhunderts noch leben.
- Mit jeder Tonne Kohlenstoff, die wir in Form von Erdöl, Kohle und Erdgas aus der Erde holen und als CO2 in die Atmosphäre gelangen lassen, verstärken wir den Treibhauseffekt.
- Wir hätten eigentlich heute schon die gesamte Technik, um Erdöl, Kohle und Erdgas weitgehend im Boden lassen zu können (natürlich auch Uran, denn wir Kinder wollen keinen tödlichen Atommüll).

Es kommt ja noch hinzu, dass wir jeden Tag so viel Erdöl, Erdgas oder Kohle aus der Erde holen, wie die Sonne in einer Million Tagen gespeichert hat. Das pusten wir seit Jahrzehnten in die Atmosphäre. Dadurch wird der Treibhauseffekt verstärkt und die Temperatur steigt. Durch diese Klimaerwärmung nehmen in manchen Regionen die Überschwemmungen zu und in anderen die Dürren. Am meisten werden die Menschen aus den armen Teilen der Welt unter den Folgen der Klimakrise leiden, obwohl sie selbst am wenigsten zur Klimaerwärmung beigetragen haben.
Warum handeln wir nicht so, wie wenn die Klimaforscher Recht haben und alles vielleicht sogar noch viel, viel schlimmer wird? Wenn wir in 40 Jahren erfahren, dass es weniger schlimm wurde, dann freuen wir uns und haben nichts falsch gemacht. Wenn wir heute aber nicht handeln und als 50-Jährige erfahren, dass die Klimaskeptiker falsch lagen, dann wird es zu spät sein für uns Kinder.
Was macht uns Mut?
Im Geschichtsunterricht haben wir gelernt, dass sich jede Gruppe ihre eigene Zukunft erkämpfen musste. Die Frauen mussten für ihre Rechte kämpfen, wie Wangari Maathai heute in Afrika oder vor ihr viele andere Frauen in ihren Ländern. Die Schwarzen mussten für ihre Rechte kämpfen, wie Martin Luther King in den USA oder Nelson Mandela in Südafrika. Wahrscheinlich bleibt uns Kindern nichts anderes übrig, als auch für unsere Zukunft zu kämpfen.
2007 waren wir erst eine Handvoll Kinder, heute sind wir erst
ein paar Tausend und man nimmt uns noch gar nicht richtig wahr, aber in ein paar Jahren …
Auf der UNEP Kinder- und Jugendkonferenz in Südkorea im August 2009 haben 800 Kinder aus fast 100 Ländern eine Erklärung verabschiedet – für den Klimagipfel in Kopenhagen. Klar hat das erst mal nichts am Scheitern geändert, aber wir Kinder haben es geschafft, eine gemeinsame Erklärung zu formulieren.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat einen neuen Ansatz zur Bewältigung des Klimaproblems entwickelt. Zentral ist die Einigung der Staatengemeinschaft auf eine Obergrenze für die noch zu emittierende Gesamtmenge (Globalbudget) an Kohlendioxid aus fossilen Quellen bis 2050, um gefährliche Klimaänderungen zu vermeiden. Das Globalbudget soll gerecht auf Pro-Kopf-Basis auf alle Staaten verteilt werden.